Friday, December 17, 2010

Syrian Air

Vielfach kommt es vor, dass Webseiten sich vor dem Aussaugen von Daten schuetzen, indem sie ein Bild mit schwer erkennbaren Buchstaben zeigen, die man tippen muss bevor man eine Abfrage starten kann. Ein Paradebeispiel dafuer ist seit einigen Jahren der deutsche NIC, wo man die Inhaber deutscher Web-Domains ermitteln kann.

Neulich in Syrien: Syrian Air laesst wissen, dass es 15% Rabatt auf Fluege gibt. Also nix wie auf die Webseite gegangen um zu schauen, wieviel sich sparen laesst. Und siehe da...

Manchmal geht da irgendwas schief. Ich hab mir jedenfalls vor Lachen halb in die Hose gemacht!

Brand Stealing

Man kann sich ueber Markenschutzrechte Gedanken machen... oder einfach in einem Land leben, wo so etwas quasi nicht existiert. Der Blick richtet sich zum Beispiel nach Irak.

Costa Coffee ist eine bekannte Marke, die urspruenglich aus Grossbritannien kommt und in mehr als 20 Laendern vertreten ist. Das Logo auf dem Bild ist eine Verballhornung der eigentlichen Costa-Marke, die ohne den Zusatz 'Rica' auskommt. Ansonsten ist aber alles 1:1 uebernommen. Ein annehernd perfekter Markendiebstahl.

Aufgenommen in Erbil / Irak im November 2010.

Gleich nebenan ist Burger King, oder vielmehr 'Burger Queen'.

Tuesday, December 14, 2010

Schnee im Nahen Osten

Und jetzt ist es soweit: Damascus meldet den ersten Schnee dieses Winters. Obwohl ja genaugenommen der Winter erst mit der Sonnenwende beginnt.

Damacus war vorgestern und gestern von einer 3 bis 8 Zentimeter hohen Schneedecke ueberzogen, was zu reichlich Choas gefuehrt hat. Nicht nur haben die Stromausfaelle signifikant zugenommen, auch viele Geschaefte und Behoerden blieben geschlossen. Nach einem witterungsbedingten Problem wurde die Boerse gestern gar nicht erst geoeffnet, angeblich ist reichlich Wasser eingedrungen.

Man sieht also: Die Auswirkungen von Schneefall in Syrien ist auch nicht viel anders wie in Deutschland. Allerdings gibt es in Syrien praktisch keinen Raeum- und Streudienst, obwohl beinahe jaehrlich selbst in der Hauptstadt Schnee faellt. In den Bergen ist das regelmaessig der Fall, und Syrer lieben es, mit dem Auto in die Berge des Antilibanon zu fahren und die weisse Pracht in Bloudan und Zabadani zu geniessen. Der Hattrick: Man baut einen Schneemann. Eigentlich nichts Ungewoehnliches, aber in Syrien baut man ihn auf dem Auto und nimmt ihn dann publikumswirksam auf der Kuehlerhaube oder dem Autodach mit in die Stadt. Bildbeweis anbei.



(Die Autokennzeichen habe ich unkenntlich gemacht, Bilder vom vergangenen Winter)

Monday, December 13, 2010

Gruesse vom Mutterschiff

Heute habe ich Weihnachtsgruesse per E-Mail von der deutschen Botschaft erhalten. Auch mal ganz nett, haelt man sich vor Augen, dass ich meinerseits keine geschickt habe.

Es war ein recht foermliches Schreiben, das vor allem Bezug auf die bilateralen Beziehungen zwischen den beiden Laendern nahm. Mir waere angesichts der kleinen deutschen Gemeinde im Land freilich ein persoenlicher Gruss lieber gewesen, nicht ein Schreiben mit der Begruessung "Liebe Landsleute", aber das ist freilich nur meine eigene Einschaeftzung. Das soll jetzt nicht verschleiern, dass ich mich allgemein schon ueber die Gruesse gefreut habe.

Friday, December 10, 2010

Autobahntankstellen, Autobahnraststaetten

Faehrt man durch Deutschland mit dem Auto, muss man oft an Autobahnraststaetten und -tankstellen Halt machen. Eine ganz normale Angelegenheit. Und das Serviceangebot ist in der Regel nicht schlecht, nicht zuletzt auf Grund der Ergebnisse des entsprechend gefuerchteten jaehrlichen ADAC-Tests.

In manchen Laendern ist das Angebot vielfach voellig anders ausgelegt (keine Tankstelle ohne Moschee in Saudiarabien beispielsweise). Schlusslicht bilden aus meiner Sicht Irak und Syrien. In Syrien muss man froh sein, wenn es eine auch nur annaehernd akzeptable Toilette gibt, im Irak "gibt es noch viel zu tun."


Das Bild zeigt eine Tankstelle im kurdischen Autonomiegebiet im Nordirak, an der Strasse zwischen Shaqlawa und Gali Ali Beg. Rechts zwei Zapfsaeulen fuer Benzin, links fuer Gas. Zugegeben, das war ein Extremfall und es gibt tatsaechlich Tankstellen im Irak, wo man sich seines Lebens sicher sein kann.

In Syrien gibt es meistens neben Treibstoff auch noch einen kleinen Coffeeshop oder ein Restaurant. Im Oman haengt die Qualitaet und das Servicespektrum sehr von der Distanz zur Hauptstadt und von der gewaehlten Tankstellenkette ab. Ein Besuch bei Maha empfiehlt sich ausschliesslich zum Kauf von Treibstoff, angegliederte Shops gibt es dort nur in seltensten Faellen bzw. es gibt allenfalls Motoroel zu kaufen in einem ansonsten leeren grossen Verkaufsraum. Eigenartig, aber beinahe bei allen Maha-Tankstellen so. In der Tuerkei herrscht eine nahezu paradiesische Auswahl von Tankstellen und Raststaetten, man bekommt auch weit ausserhalb der Grossstaedte ein ausgezeichnetes Angebot und bei jeder Tankfuellung ist eine gratis Autowaesche inklusive.

Von der Tuerkei koennten die deutschen Tankstellen noch einiges lernen, vor allem die an der Autobahn.

Arztkosten und Gesundheitssystem

Die Deutschen jammern auf verdammt hohem Niveau. Und die Tagesthemen haben neulich einen Bericht aus Tschechien gesendet, in dem die Zustaende in Deutschland als paradiesisch dargestellt werden. Siehe hier.

Schaut euch doch einmal an, was in deutschen Krankenhaeusern geboten wird und zu welchem Preis...

In Deutschland war ich zuletzt 2006 beim Zahnarzt um mir zwei Weisheitszaehne herausnehmen zu lassen. Satte 1,800 Euro hat mich das als Privatpatient gekostet, ein Schock. Genauso wie eine Routinekontrolle beim Zahnarzt von etwa 15 Minuten Dauer mit weit ueber 200 Euro zu Buche schlaegt. Mal als Preisvergleich: In Syrien zahlt man fuer einen Weisheitszahn 500 syrische Pfund, fuer meine zwei haette ich dementsprechend etwa 17 Euro bezahlt. Manchmal versteht man die Welt nicht mehr. Aber dass die Lohnkosten in Syrien 100 mal so hoch sind wie in Deutschland, das kann mir niemand weissmachen.

Schnee: ihr habt Probleme!

Gebt es doch zu: Es ist jedes Jahr dasselbe. Der Wetterbericht warnt ca. 3 Tage vor dem ersten Schneefall, und 72 Stunden spaeter steht ein ganzes Land still. Als haette man es nicht erwartet.

Auf facebook hat eine Schweizerin recht nett geschrieben: "Wir haben hier auch dieses weisse Zeug massenhaft vor der Tuer. Aber wir nennen es hier 'Schnee' und nicht 'Katastrophe'."

Ausserhalb Europas nimmt man solche Situationen oft recht gelassen. Im Libanon zum Beispiel faellt jedes Jahr Schnee, deswegen gibt es dort auch diverse Skigebiete und die Leute freuen sich ueber die weisse Pracht. Liegt zuviel davon, schliesst man Behoerden und Geschaefte nach Gutduenken, faehrt eben nicht mehr Auto, bleibt eventuell daheim oder spielt mit den Kindern draussen. Dieser ganze verkrampfte deutsche Arbeitseifer und die Arbeitsmoral in allen Ehren, aber manchmal sollte man einfach mal relaxen und den Schnee geniessen. Die Erde wird sich weiter drehen, mit oder ohne.

Thursday, December 9, 2010

Wikileaks

Seit bald 2 Wochen ist der grosse Hype ausgebrochen. Die ganze Welt steht auf dem Kopf, weil amerikanische Diplomaten analysiert haben, dass Angela Merkel nicht sonderlich mutig und innovativ ist (wozu ist sie schliesslich bei einer konservativen Partei?), Guido Westerwelle kein einfacher Mensch (man hoere und staune) und Muammar Al Ghaddafi sich gerne von ukrainischen Krankenschwestern versorgen laesst (wer wuerde dan denn bitte nicht gerne tun?). Nicolas Sarkozy ist nur beschraenkt gesellschaftsfaehig und etwas jaehzornig (gut dass das endlich mal jemand bemerkt hat, die Welt war bisher blind). Und eine kaukasische Hochzeit laeuft entgegen bisheriger Annahmen nicht wie in Miami, New York oder Dallas. Aha.

Meine Damen und Herren, we proudly present: die Wahrheit.

Wo liegen denn die Wurzeln der Diplomatie? Im spaeten Mittelalter. Und dort ist die Diplomatie leider vielfach auch stecken geblieben. Was man nach innen denkt und sogar in internen Kreisen ausspricht wird nicht nach aussen gebracht. Die Offenheit bleibt dabei auf der Strecke, oft sogar die Ehrlichkeit und Wahrheit.

Ich moechte nicht den Diebstahl der US-Dokumente verniedlichen. Aus meiner Sicht ist es ein illegaler Akt gewesen. Im Grunde genommen ist es aber wohl ein Fehler im Kontrollsystem, der schlussendlich verantwortlich war. Eine Vielzahl echter Skandale kann ich aus den Berichten nicht erkennen, die dem breiten Publikum auf den einschlaegigen Nachrichtenwebseiten und Fernsehnachrichten praesentiert wurden. Das enthuellendste, wovon ich gelesen habe ist die Geheimvereinbarung zu Streumunition zwischen den USA und Grossbritannien. Dass so etwas aufgedeckt wird halte ich fuer lobenswert, zeigt dies doch die Doppelmoral der Politik auf hoher Ebene. 

Davon abgesehen schein mir persoenlich der einzige Skandal, dass die Einschaetzung von Fakten auf diplomatischer Ebene endlich einmal ohne das entsprechende Kauderwelsch erfolgt ist. Es waere fuer mich eine grosse Ueberraschung, wenn nicht praktisch jede Botschaft in jedem Land entsprechende Berichte an ihr Mutterschiff schicken wuerde. Das ist schliesslich deren Aufgabe und eine ehrliche und offene Analyse hilft der Politik bei der Einschaetzung von Sachverhalten.

In Deutschland hat offensichtlich der Fall eines FDP-Mitglieds grosse Wellen geschlagen, das aus den Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/CSU und FDP an den amerikanischen Botschafter in Berlin bruehwarm berichtet hat. Ob speziell diese Informationen wirklich sensibel waren sei einmal dahingestellt. Dessen unberuehrt halte ich es fuer durchaus positiv, dass die Person nach Wegfall der Vertrauensgrundlage nun aus ihrer Partei ausgeschlossen wurde. Es scheinen keine Bestrebungen zu existieren, den 'Verraeter' vor Gericht zu stellen.

Man kann sich nur wundern, ob es das gleiche Ergebnis waere, haette der junge Mann fuer Nordkorea, Syrien oder Libyen spioniert.

Und schliesslich noch die Frage der Verwendung der gestohlenen Dokumente: ein Aufschrei ging durch die politische Welt, aber wenn eine Liste von Steuersuendern aus der Schweiz in Deutschland sogar an die Finanzbehoerden *verkauft* wird, dann ist ploetzlich alles legal. Food for thought.

Sinn und Zweck des Blogs

Nachdem ich seit diversen Jahren im aussereuropaeischen Ausland lebe, hat sich meine Sichtweise ueber Ereignisse in Deutschland veraendert. Darueber, und vor allem ueber Einzeleinschaetzungen will ich hier schreiben.

Deutschland wird in den meisten Laendern als innovativer Standort gesehen, und die 'typisch deutschen' Qualitaeten wie Strebsamkeit, Arbeitseifer, Qualitaet und Effizienz sind beinahe jedem im Ausland bekannt. In der arabischen Welt kommt haeufig noch eine spezielle Einschaetzung zum Dritten Reich hinzu, ein Thema dem ich mehr als gerne aus dem Weg gehe um Konflikte zu vermeiden.

Deutschland wird ausserhalb Europas vielfach als ein Teil der EU gesehen, was sicherlich einer der Kernpunkte meiner Bewusstseinsbildung war. So wie ein deutscher Tourist in Spanien sagen wird 'bei uns in Deutschland...' wird zB ein Australier gerne sagen 'in Europa'. Damit wird alles zu einem Brei, nach deutschem Verstaendnis, und Hammerfest mit Gibraltar ebenso gleichgesetzt wie Nikosia mit Dublin.

Man kann sich darueber streiten, ob das eine valide Einschaetzung ist. Aber die Tatsache, dass die Sichtweise der Welt auf Deutschland so ist, beweist schon eine gewisse Berechtigung. Und im Zeitalter der Globalisierung ist es aus meiner Sicht durchaus normal, ganze Regionen und Kontinente in einen Topf zu werfen. Machen das die Europaer nicht auch? In der Tat. Geht man nach Suedostasien wird man eher selten hoeren, dass ASEAN mehr als eine reine Wirtschaftsgemeinschaft ist, aehnlich wie NAFTA in Nordamerika oder Mercosur in Suedamerika. In Europa wird hier ebenso zusammengeworgen wie im Rest der Welt.

Mit meinem Blog will ich Ereignisse und Berichte aus Deutschland in Form einer Aussenansicht beschreiben und kommentieren. Wer gelegentlich die internationale Presse liest wird bemerkt haben, dass Auslandskorrespondenten eine andere Sichtweise der Dinge haben und die lokalen Geschehnisse in einen anderen Wissenskreis, ein anderes Weltbild und ein anderes Selbstverstaendnis hineininterpretieren. Mir persoenlich hat das immer gefallen. Und an diesem Punkt will ich einhaken.

Nein, ich bin kein Auslandskorrespondent einer deutschen Zeitung oder eines Rundfunk- und Fernsehsenders. Einfach nur ein deutscher Expat, der mit offenen Augen die Welt betrachtet und seine deutschen Wurzeln nicht vergessen hat.