Meine Damen und Herren, we proudly present: die Wahrheit.
Wo liegen denn die Wurzeln der Diplomatie? Im spaeten Mittelalter. Und dort ist die Diplomatie leider vielfach auch stecken geblieben. Was man nach innen denkt und sogar in internen Kreisen ausspricht wird nicht nach aussen gebracht. Die Offenheit bleibt dabei auf der Strecke, oft sogar die Ehrlichkeit und Wahrheit.
Ich moechte nicht den Diebstahl der US-Dokumente verniedlichen. Aus meiner Sicht ist es ein illegaler Akt gewesen. Im Grunde genommen ist es aber wohl ein Fehler im Kontrollsystem, der schlussendlich verantwortlich war. Eine Vielzahl echter Skandale kann ich aus den Berichten nicht erkennen, die dem breiten Publikum auf den einschlaegigen Nachrichtenwebseiten und Fernsehnachrichten praesentiert wurden. Das enthuellendste, wovon ich gelesen habe ist die Geheimvereinbarung zu Streumunition zwischen den USA und Grossbritannien. Dass so etwas aufgedeckt wird halte ich fuer lobenswert, zeigt dies doch die Doppelmoral der Politik auf hoher Ebene.
Davon abgesehen schein mir persoenlich der einzige Skandal, dass die Einschaetzung von Fakten auf diplomatischer Ebene endlich einmal ohne das entsprechende Kauderwelsch erfolgt ist. Es waere fuer mich eine grosse Ueberraschung, wenn nicht praktisch jede Botschaft in jedem Land entsprechende Berichte an ihr Mutterschiff schicken wuerde. Das ist schliesslich deren Aufgabe und eine ehrliche und offene Analyse hilft der Politik bei der Einschaetzung von Sachverhalten.
In Deutschland hat offensichtlich der Fall eines FDP-Mitglieds grosse Wellen geschlagen, das aus den Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/CSU und FDP an den amerikanischen Botschafter in Berlin bruehwarm berichtet hat. Ob speziell diese Informationen wirklich sensibel waren sei einmal dahingestellt. Dessen unberuehrt halte ich es fuer durchaus positiv, dass die Person nach Wegfall der Vertrauensgrundlage nun aus ihrer Partei ausgeschlossen wurde. Es scheinen keine Bestrebungen zu existieren, den 'Verraeter' vor Gericht zu stellen.
Man kann sich nur wundern, ob es das gleiche Ergebnis waere, haette der junge Mann fuer Nordkorea, Syrien oder Libyen spioniert.
Und schliesslich noch die Frage der Verwendung der gestohlenen Dokumente: ein Aufschrei ging durch die politische Welt, aber wenn eine Liste von Steuersuendern aus der Schweiz in Deutschland sogar an die Finanzbehoerden *verkauft* wird, dann ist ploetzlich alles legal. Food for thought.
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